Organisationsstrukturen von Mulingula
Das Münsteraner Grundschul-Modell
Im Zentrum dieses Modells steht die wöchentliche Vorlesestunde in der Familiensprache der Kinder. Vorlesekräfte (Native Speaker*innen) lesen Kindern in sprachhomogen zusammengestellten Gruppen während des regulären Schulvormittags im Umfang einer Unterrichtsstunde vor.
Die Gruppengröße umfasst idealerweise fünf bis zehn Kinder. Durch das regelmäßige Vorlesen entsteht ein geschützter Raum, in dem Sprache, Identität und Gemeinschaft erlebt werden können.
Mulingula in der weiterführenden Schule
Dieses Modell setzt auf Peer-Education: Oberstufenschüler*innen übernehmen die Rolle der Vorlesenden und lesen Schülerinnen der Mittelstufe in deren Familiensprachen vor. Neben der Förderung der Lesekompetenz und der Mehrsprachigkeit werden gleichzeitig soziale Verantwortung und demokratische Werte wie Empathie und Engagement vermittelt. Die Vorlesebeziehungen stärken die Schulgemeinschaft und ermöglichen mehrsprachige Begegnung auf Augenhöhe.
Eltern lesen vor
In diesem Format werden Eltern aktiv als Vorlesekräfte einbezogen. Sie lesen in ihrer Familiensprache einzelnen Schüler*innen oder kleinen Gruppen regelmäßig vor, sowohl im schulischen Kontext als auch in Kooperation mit Bibliotheken oder Familienzentren.
Dieses Modell fördert elterliche Bildungsbeteiligung, stärkt das Selbstwertgefühl der Kinder und schafft Brücken zwischen schulischem Lernen und familiärer Lebenswelt.
Digitales Vorlesen über mulingula-praxis.de
Die Plattform www.mulingula-praxis.de bietet einen niedrigschwelligen digitalen Zugang zu mehrsprachigen Kinderbüchern, Hörtexten und begleitenden Materialien, sowohl für die Schule als auch für das Vorlesen zu Hause.
Die digitale Version eignet sich besonders für individualisiertes Lernen, schulische Projekte mit und ohne feste Vorlesestrukturen oder den außerschulischen Einsatz. Sie kann unabhängig davon genutzt werden, ob Mulingula als Schulprojekt implementiert ist. Lehrkräfte, Ehrenamtliche und Familien finden dort umfangreiche Unterstützung, um mehrsprachige Vorleseangebote eigenständig umzusetzen – analog oder digital, flexibel und alltagsnah.
Schulische Voraussetzungen für die Implementierung einer Mehrsprachigkeitsdidaktik
- Ein pädagogischer Konsens innerhalb des Kollegiums sowie die Unterstützung durch die Schulleitung
- Eine wertorientierte Lehrer*innen-Haltung, die demokratische und menschenrechtsbasierte Bildungsziele in den Mittelpunkt stellt
- Eine gelebte Willkommenskultur, die alle Kinder in ihrer Vielfalt anerkennt und wertschätzt
- Überzeugung vom pädagogischen Mehrwert des Vorlesens in der Familiensprache zur Förderung von Lesekompetenz, Sprachentwicklung und Teilhabe
- Bereitschaft zur Flexibilisierung des Stundenplans, um Vorlesezeiten zu integrieren
- Kooperation mit Kommune, Förderinstitutionen oder gesellschaftlich engagierte Partner zur Finanzierung von Medien, Materialien und Vorlesekräften
- Regelmäßige Fortbildungen und Austauschtreffen für die beteiligten Lehrkräfte und Vorlesekräfte zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Projekts
© Krystyna Strozyk